Gertrud Hutz (1912–2004) started painting at the age of 65.
Her last exhibition took place in 2002 and after that her paintings were almost forgotten – until now. Her grandchildren never forgot her, a person who inspired the next generation of creators. She left us, her grandchildren, a legacy of masterful works and a motivating story about emancipation to share with you.
Gertrud Hutz: Gedanken zu meiner Malergeneration
Altersmässig gehöre ich jener Generation an, in deren Kindheitserinnerungen gerade der Jugendstil das Modernste war. Als in den 20-er Jahren die Kunst sich aus der gusseisernen Klammer des Wilhelminischen Zeitalters zu lösen begann, waren wir alle junge Leute, die von denselben kühnen Strömungen des Zeitgeistes ergriffen wurden. Es sah so hoffnungsvoll aus für die junge Malerei, doch währte der Frühling nicht lange. Bevor sie noch zum Blühen kam, wurde sie schon niedergetreten. Manche richteten sich wieder auf, mitten in der Not der Zeit und schufen schier Unglaubliches.
Es gibt vieles, was mich mit jener „verschollenen Generation“ von Malern verbindet. Was mich jedoch von ihr trennt, ist die Tatsache, dass ich erst ein halbes Jahrhundert nach ihnen zu malen begonnen habe. So gehören meine Bilder einer anderen Zeit an: Tschernobyl und Massenphänomene wie Fußball sind Themenkreise der Gegenwartskunst.
Zugehörig fühle ich mich zu jenen, für die die Malerei zum täglichen Ritual geworden ist. Zugehörig fühle ich mich auch zu jenen, die erst im Alter zu malen begannen, weil zuvor die Zeit nicht reif war. Denn auch wir blieben nicht verschont von den Ereignissen dieses Jahrhunderts. Für uns, die wir erst spät anfingen, ist nicht das Endprodukt auf dem Papier letztlich entscheidend sondern das Malerlebnis selbst. Da treten wir aus dem Alltäglichen heraus und eine Türe tut sich auf in einen bunten Garten, in dem unsere Seele ihren Hunger nach Schönheit stillen kann. Jetzt sind wir zu Suchenden geworden, Suchende nach einem Weg, der diesem hohen Anspruch gerecht wird.
Im Gegensatz zu den jungen Malern unserer Zeit sind wir freier in der Auswahl unserer Themen, da wir in unserem langen Leben schon vielerlei gesehen haben. Freier Sind wir auch deswegen, weil wir von unserer Malerei nicht leben müssen. Auch fühlen wir uns von der Aufgabe befreit, unserer Generation Gültigkeit verschaffen zu müssen, indem wir eine Richtung geben oder einer Schule angehören. Dies haben andere Maler unserer Generation bereits getan.
Gertrud Hutz. Januar 1990
Gertrud Hutz: Thoughts on my generation of painters
In terms of age, I belong to the generation in whose childhood memories of Art Nouveau was the most modern at the time. In the twenties, when art began to break away from the iron clasps of the Wilhelm era, we were all young people captivated by the same audacious movements of the Zeitgeist. It looked so hopeful for the young painting style, however spring did not last long. Before she came to bloom, she was already stamped out. Some straightened up again, in the midst of the misery of the times, creating something incredible.
There are many things that connect me to that "lost generation" of painters, but what separates me from them is the fact that I started to paint only half a century after them. So, my paintings belong to a different time: Chernobyl and mass phenomena such as football are topics of contemporary art.
Belonging to those for whom painting has become a daily ritual. Belonging, I also feel like those who did not paint until they were old, because before that time was not right. For we too were not spared the events of this century. For us, who started late, the end product on paper is ultimately not decisive, but the action of painting itself. Here we step out of the ordinary daily life routine and a door opens into a colourful garden where our souls satisfy their hunger for beauty. Now we have become seekers, seekers for a way that meets this high standard.
In contrast to the young painters of our time, we are freer in the selection of our topics, as we have seen many things in our long life. We are also free because we do not have to live by our painting. Also, we feel freed from the task of having to validate our generation by giving direction or belonging to a school. This has already been done by other painters of our generation.
Gertrud Hutz. January 1990





